the-fan-mario
18.10.2005, 22:54
Sapina offenbart sein Wettsystem
Prozeß im Manipulationsskandal beginnt mit Geständnis des Hauptbeschuldigten - Hoyzer sagt am Donnerstag aus
Berlin - Um 9.50 Uhr begegneten sich Robert Hoyzer und Dominik Marks zum ersten Mal seit langer Zeit wieder. Auf dem Flur des Berliner Kriminalgerichts würdigten sich die beiden ehemaligen Schiedsrichter keines Blickes. Die Freundschaft ist seit jenem 19. Januar dieses Jahres erloschen, als der Wett- und Manipulationsskandal in das Licht der Öffentlichkeit rückte. Fast genau neun Monate später hat die Affäre ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht mit dem Beginn des Strafprozesses gegen sechs Angeklagte vor der 12. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts.
Vorerst 18 Verhandlungstage hat die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer für die juristische Aufklärung angesetzt. 170 Zeugen stehen auf der Zeugenliste, dazu kommen unzählige Beweismittel wie die sichergestellten Wettscheine und dokumentierte Telefonmitteilungen zwischen den Beteiligten. Neben Hoyzer, Marks, dem ehemaligen Fußballspieler Steffen Karl, den drei Brüdern Ante, Milan und Filip Sapina, den sechs Angeklagten, waren zwölf Rechtsanwälte, zwei Staatsanwälte, fünf Richter, zwei Ersatzrichter, fünf Justizwachtmeister und 100 Zuschauer im Saal 500 beim Prozeßauftakt.
"Ich bin der Ante", hatte der mutmaßliche Drahtzieher des Wettskandals zu Beginn des ersten Verhandlungstages lapidar gesagt. Nach der Verlesung der Anklageschrift, in der die Ermittler dem 29jährigen 42 Betrugstaten vorwerfen, darunter die Manipulation von 23 Fußballspielen, nahm Ante Sapina auf dem Zeugenstuhl Platz und begann sein Geständnis, das wegen seiner umfassenden Länge voraussichtlich erst am nächsten Verhandlungstag (Donnerstag) enden wird.
"Die Quote muß höher sein als die Wahrscheinlichkeit, dann ist man auf Dauer im Plus", erklärte Ante Sapina seine Wettphilosophie. Er sieht jünger aus, als er ist. Das Gesicht läßt auf einen verschmitzten Menschen schließen. Ante spricht perfekt deutsch, der Sohn kroatischer Eltern wurde in Duisburg geboren und lebt seit 1987 in Berlin. Mit 16 Jahren sei er zum Wetten gekommen, sagte er, damals schickte er noch Briefe per Post an ein englisches Wettbüro. Das Aufkommen von Wettbüros in Deutschland sowie des Internets erleichterten ihm seine Leidenschaft. Finanziert habe er seine Wetten damals durch das Fußballspielen in der Oberliga Nordost und einen Job beim Schneeräumdienst. Offiziell studierte Sapina Verkehrswesen an der Technischen Universität Berlin.
Seine mathematischen Kenntnisse aus dem Studium kamen ihm beim Wetten zugute. "Mich hat nicht interessiert, ob Real Madrid oder Buxtehude gespielt hat", erklärte Ante. Er wettete auf Fußball genauso wie auf Frauenbasketball in den USA, Skispringen oder das Ausscheiden bei "Deutschland sucht den Superstar". "Für mich war das Mathematische wichtig. Das war meine Stärke." Für seinen Erfolg - bereits in den 90er Jahren gewann er mehrere Hunderttausend Euro mit Wetten - sei seine Schnelligkeit beim Sammeln von Informationen entscheidend gewesen. Während die deutschen Wettbüros die Gewinnquoten bereits am Morgen festsetzten, wartete Ante auf die Quoten amerikanischer Wettbüros, die erst am Nachmittag feststanden und aktuelle Ereignisse mit einbezogen, so daß Ante sich die für ihn günstigsten Wetten zusammenstellen konnte. "Deren Fehler war mein Vorteil", beschrieb er sein System gestern.
Das systematische Wetten ließ für weitere Arbeit kaum Zeit. "Mein Bruder wollte, daß ich damit aufhöre und eine Lehre anfange, meine Mutter forderte mich auf, das Studium ernster zu nehmen", sagte Ante - aber das Wettfieber war stärker und der zunehmende Erfolg ließ seine Familie verstummen.
Im ersten Teil seines Geständnisses ging Ante Sapina nicht auf die ihm vorgeworfenen Spielmanipulationen ein. Auch seine Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtern Hoyzer und Marks blieb zunächst unerwähnt.
Von besonderem Interesse für das Gericht und die drei Verteidiger Antes ist ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten, das das Gericht eingeholt hat und zu einem späteren Zeitpunkt bespricht. Sollte der Psychiater Werner Platz zu dem Schluß kommen, Ante Sapina leide unter Spielsucht, könnte er vermindert schuldfähig sein.
Der Prozeß wird am Donnerstag fortgesetzt. Nach Ante Sapina will sich Hoyzer, der Kronzeuge der Anklage, zu den Vorwürfen äußern. Er war seit dem vergangenen Jahr in das Wettsystem einbezogen und hatte als Schiedsrichter Spiele beeinflußt, auf die Sapina bis zu mehr als 100 000 Euro gesetzt hatte.
Mi, 19. Oktober 2005
die welt
Prozeß im Manipulationsskandal beginnt mit Geständnis des Hauptbeschuldigten - Hoyzer sagt am Donnerstag aus
Berlin - Um 9.50 Uhr begegneten sich Robert Hoyzer und Dominik Marks zum ersten Mal seit langer Zeit wieder. Auf dem Flur des Berliner Kriminalgerichts würdigten sich die beiden ehemaligen Schiedsrichter keines Blickes. Die Freundschaft ist seit jenem 19. Januar dieses Jahres erloschen, als der Wett- und Manipulationsskandal in das Licht der Öffentlichkeit rückte. Fast genau neun Monate später hat die Affäre ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht mit dem Beginn des Strafprozesses gegen sechs Angeklagte vor der 12. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts.
Vorerst 18 Verhandlungstage hat die Vorsitzende Richterin Gerti Kramer für die juristische Aufklärung angesetzt. 170 Zeugen stehen auf der Zeugenliste, dazu kommen unzählige Beweismittel wie die sichergestellten Wettscheine und dokumentierte Telefonmitteilungen zwischen den Beteiligten. Neben Hoyzer, Marks, dem ehemaligen Fußballspieler Steffen Karl, den drei Brüdern Ante, Milan und Filip Sapina, den sechs Angeklagten, waren zwölf Rechtsanwälte, zwei Staatsanwälte, fünf Richter, zwei Ersatzrichter, fünf Justizwachtmeister und 100 Zuschauer im Saal 500 beim Prozeßauftakt.
"Ich bin der Ante", hatte der mutmaßliche Drahtzieher des Wettskandals zu Beginn des ersten Verhandlungstages lapidar gesagt. Nach der Verlesung der Anklageschrift, in der die Ermittler dem 29jährigen 42 Betrugstaten vorwerfen, darunter die Manipulation von 23 Fußballspielen, nahm Ante Sapina auf dem Zeugenstuhl Platz und begann sein Geständnis, das wegen seiner umfassenden Länge voraussichtlich erst am nächsten Verhandlungstag (Donnerstag) enden wird.
"Die Quote muß höher sein als die Wahrscheinlichkeit, dann ist man auf Dauer im Plus", erklärte Ante Sapina seine Wettphilosophie. Er sieht jünger aus, als er ist. Das Gesicht läßt auf einen verschmitzten Menschen schließen. Ante spricht perfekt deutsch, der Sohn kroatischer Eltern wurde in Duisburg geboren und lebt seit 1987 in Berlin. Mit 16 Jahren sei er zum Wetten gekommen, sagte er, damals schickte er noch Briefe per Post an ein englisches Wettbüro. Das Aufkommen von Wettbüros in Deutschland sowie des Internets erleichterten ihm seine Leidenschaft. Finanziert habe er seine Wetten damals durch das Fußballspielen in der Oberliga Nordost und einen Job beim Schneeräumdienst. Offiziell studierte Sapina Verkehrswesen an der Technischen Universität Berlin.
Seine mathematischen Kenntnisse aus dem Studium kamen ihm beim Wetten zugute. "Mich hat nicht interessiert, ob Real Madrid oder Buxtehude gespielt hat", erklärte Ante. Er wettete auf Fußball genauso wie auf Frauenbasketball in den USA, Skispringen oder das Ausscheiden bei "Deutschland sucht den Superstar". "Für mich war das Mathematische wichtig. Das war meine Stärke." Für seinen Erfolg - bereits in den 90er Jahren gewann er mehrere Hunderttausend Euro mit Wetten - sei seine Schnelligkeit beim Sammeln von Informationen entscheidend gewesen. Während die deutschen Wettbüros die Gewinnquoten bereits am Morgen festsetzten, wartete Ante auf die Quoten amerikanischer Wettbüros, die erst am Nachmittag feststanden und aktuelle Ereignisse mit einbezogen, so daß Ante sich die für ihn günstigsten Wetten zusammenstellen konnte. "Deren Fehler war mein Vorteil", beschrieb er sein System gestern.
Das systematische Wetten ließ für weitere Arbeit kaum Zeit. "Mein Bruder wollte, daß ich damit aufhöre und eine Lehre anfange, meine Mutter forderte mich auf, das Studium ernster zu nehmen", sagte Ante - aber das Wettfieber war stärker und der zunehmende Erfolg ließ seine Familie verstummen.
Im ersten Teil seines Geständnisses ging Ante Sapina nicht auf die ihm vorgeworfenen Spielmanipulationen ein. Auch seine Zusammenarbeit mit den Schiedsrichtern Hoyzer und Marks blieb zunächst unerwähnt.
Von besonderem Interesse für das Gericht und die drei Verteidiger Antes ist ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten, das das Gericht eingeholt hat und zu einem späteren Zeitpunkt bespricht. Sollte der Psychiater Werner Platz zu dem Schluß kommen, Ante Sapina leide unter Spielsucht, könnte er vermindert schuldfähig sein.
Der Prozeß wird am Donnerstag fortgesetzt. Nach Ante Sapina will sich Hoyzer, der Kronzeuge der Anklage, zu den Vorwürfen äußern. Er war seit dem vergangenen Jahr in das Wettsystem einbezogen und hatte als Schiedsrichter Spiele beeinflußt, auf die Sapina bis zu mehr als 100 000 Euro gesetzt hatte.
Mi, 19. Oktober 2005
die welt