PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Narren sind los oder der Spinner im Bayern-Tor


Lazy G
18.02.2007, 18:51
welt.de

Die Narren sind los oder der Spinner im Bayern-Tor

Eine angeheiterte Pappnase gibt den Uli Hoeneß, ein Narr spricht wie Ottmar Hitzfeld, und ein Wichtigtuer maskiert sich als Lothar Matthäus. Welche Auswirkungen der Karneval auf die Bundesliga hat.

Von Oscar Beck

Die närrischen Tage haben auch die Fußball-Bundesliga am Wickel. Komplett haben sich beispielsweise am Samstag die Zuschauer im ZDF-"Sportstudio" maskiert als Timo Hildebrand. Stuttgarts Torwart war auf der Durchreise zur Määnzer Fassenacht, hat kurz Halt gemacht, den Fußball des VfB erklärt - und sich in den nächstbesten Maskenball gestürzt. "Als Hildebrand?", wollte der Moderator Steinbrecher neugierig wissen. "Nein, verkleidet", verriet Timo, ließ aber die Frage offen, ob er als Seeräuber, Cowboy oder Olli Kahn gehen würde.

Das Kahn-Kostüm ist der Renner des diesjährigen Faschings. Wer ein Narr sein will, kommt als Olli. Beim Spiel in Aachen hat sich sogar ein als Kahn verkleideter Spinner heimlich ins Bayern-Tor gestellt und so getan, als hätte er einen Riss in der Schüssel. Mitten im Spiel hat er sich den Kameraden Daniel van Buyten vorgeknöpft und ihm mit den Händen das Gesicht zusammengedrückt, so dass der Belgier jetzt weiß, wie es ist, wenn man einem aus der Geisterbahn oder der geschlossenen Abteilung des Faschings Entsprungenen über den Weg läuft.

"Wir müssen eine Mentalität entwickeln, wie man sie im Abstiegskampf braucht", hat uns der nicht ganz zurechnungsfähige Karnevalskahn hernach im Rahmen der Büttenrede erklärt - doch das Närrischste war seine Nummer beim Tor des Tages: Unter dem Motto "Wolle mir ihn roilassa?" hat das Olli-Double den Kullerball von Klitzpera reingelassen. So ist das, wenn Fußball und Fasching zusammenfallen.

Die Narren sind los.

Denken wir nur an die angeheiterte Pappnase, die seit Tagen als Uli Hoeneß ihr Unwesen treibt. Verkleidet als Bayern-Manager hat dieser Spaßvogel nicht nur Felix Magath öffentlich als neuen HSV-Trainer verkündet, sondern jetzt auch noch über Victoria Beckham gesagt: "Ihren Mann mag ich sehr, aber sie nicht. Solche Leute sind der Tod des Fußballs." Auf solche Schnapsideen kommen nur Karnevalsjecken. Mit der Narrenkappe auf dem Kopf ist nun einmal alles erlaubt.

Viele kommen beim Kostümball der Bundesliga jetzt schon als Mikrofonständer auf zwei Beinen, kurz: als Reporter, machen betont auf bekloppt und stellen die dünnpfiffigsten Fragen wie jener ARD-Faschingsinterviewer, der von Miroslav Klose am Samstag derart unablässig und hartnäckig wissen wollte, welches Ziel Werder nach drei Niederlagen noch bleibe, bis Klose sagte: "Nicht abzusteigen."

Aber war es überhaupt Klose? Oder war es nur ein Faschingsnarr, der sich seit Wochen als Klose maskiert und den Ball nicht trifft?

Auch als Werner Hansch hat sich am Samstag ein Witzbold verkleidet und dem Gladbacher Abwehrspieler Ze Antonio, der mit ausgestreckten Armen und Fäusten einen unhaltbaren Schuss des Dortmunders Frei mittels akrobatischem Hechtsprung abblockte, spontan und karnevalsreif bescheinigt: "Kein Elfer, angeschossen!"

Ein anderer Narr hat sich in Leverkusen als Arena-Reporter maskiert und gerufen: "Butt muss eingreifen." Butt? War Butt nicht gesperrt? Ist er inkognito als Ersatztorwart Fernandez zum Spiel gegen Hannover gekommen? Singt und lacht Mainz 05 seit Wochen nur, weil es womöglich aus dem Kostümfundus der Fassenachtshochburg schöpft und sich hinter dem kleinen Zidan in Wahrheit der große, getarnte Zidane verbirgt, der die Anonymität des Faschings nutzt, um vom Aussterben bedrohte Kultklubs zu retten?

Im Karneval wird die Bundesliga zum Maskenball - und ein ganz dreister Narr hat sich dieser Tage sogar als Ottmar Hitzfeld verkleidet und der Zeitung "Österreich" erzählt: "Ich bin überzeugt, dass Lothar Matthäus eine große Karriere vor sich hat und einmal Bayern-Trainer wird." Darf die Narrenfreiheit des Faschings sogar so weit gehen?

Erwartungsgemäß hat sich als Trittbrettfahrer prompt ein Wichtigtuer gefunden, der sich als Lothar Matthäus maskiert und gefaselt hat: "Ich bin ein Insider der Bundesliga und speziell des FC Bayern. Und wer meine bisherige Laufbahn sieht, dem muss klar sein: Mein Ziel muss die Bundesliga sein." War es etwa der Greenkeeper der Allianz-Arena, der da täuschend ähnlich einen auf Matthäus macht?

Jedenfalls ist die Wahl zum besten Narrenkostüm des diesjährigen Fußballfaschings heftig umstritten ist - abwarten wollen wir allerdings noch den Dienstagabend, denn die größten Narren sind angeblich momentan auf dem Weg nach Madrid, um im Trikot des Deutschen Meisters, verkleidet als FC Bayern, in der Champions League gegen Real zu spielen.

Im Fasching ist wirklich alles möglich.

Artikel erschienen am 19.02.2007